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Bauseits gestellte Armaturen

Regelmäßig werden Handwerksfirmen vom Kunden aufgefordert, die von ihnen beschafften Produkte einzubauen. Hintergrund oder Antrieb dafür ist häufig der Preis aber auch besondere Gestaltung, haptische oder optische Eigenschaften oder schlicht die Verfügbarkeit. Dabei sind sich die Kunden häufig nicht bewusst, welche Anforderungen z. B. an den Einbau und die Qualität von Sanitärarmaturen gestellt werden und warum der beauftragte Handwerker keine eindeutigen Aussagen trifft oder sich pauschal verweigert.

Mit der für den Auftraggeber unverständlichen Ablehnung von in seiner Betrachtung „guten“ Komponenten für den zu leistenden Auftrag schwindet oft erheblich das Vertrauen in den SHK Handwerksbetrieb und es werden niedere Beweggründe hinter den ausweichenden oder ablehnenden Aussagen vermutet, die oft die gesamte Ausführung des Auftrages für beide Vertragsparteien gefährden oder die weitere Beziehungen überschatten. Nachfolgend möchten wir daher das Dilemma auflösen und aus neutraler Position über die Sachverhalte informieren.

1.Das Handwerksunternehmen muss Geld verdienen und alle Leistungen (ob für den Kunden sichtbar oder nicht) kalkulatorisch berücksichtigen. Auch für gewerbliche Leistungen, die (absichtlich oder freiwillig) nicht in Rechnung gestellt werden, können Gewährleistung und Haftungsansprüche des Kunden entstehen. Die Prüfung von Produkten auf deren Eignung ist ein Aufwand, der erheblich unterschiedlich ausfallen kann und manchmal auch von Erfahrung geprägt ist.

2.Nach deutschem Recht sind die Rechtsansprüche an eine Handwerksleistung deutlich höher und anders als die Ansprüche aus dem Verkauf/Kauf einer Sache. Üblicherweise spricht man von Gewährleistung beim Werkvertrag1 oder Garantie beim Kaufvertrag2. Erstellt der Handwerker ein Gewerk – z. B. eine Trinkwasser-Installation – hat er dem Kunden diese Leistung sach- und rechtsmangelfrei zu verschaffen. Also alle dafür gesetzlich festgelegten Anforderungen zu erfüllen und die üblicherweise zu erwartenden Funktionen sicherzustellen. Z. B. soll aus dem blau gekennzeichneten Wasserhahn kaltes Wasser fließen und aus dem rot markierten Hahn warmes Wasser.

3.Im Bereich der Trinkwasserinstallation hat die Trinkwasserverordnung [TrinkwV] und die Verordnung über die Allgemeinen Bedingungen für die Versorgung mit Wasser [AVBWasserV] im weltweiten Vergleich hohe Anforderungen an die Hygiene und Sicherheit unseres Lebensmittels Nr. 1 (Trinkwasser) gestellt. So muss Trinkwasser genusstauglich und rein sein und festgelegte Grenzwerte und Parameter einhalten3.

4.Jede Verpackung beeinflusst das verpackte Produkt und bietet unterschiedlichen Schutz. Ein Pappkarton zum Beispiel, stabilisiert und schützt ggf. vor Stürzen, nicht aber gegen anhaltende Feuchtigkeit. An von Trinkwasser berührte Bauteile werden für unser wichtigstes Lebensmittel auch die Anforderungen gestellt, die Beschaffenheit des Trinkwasser nicht nachteilig zu beeinflussen oder zu verunreinigen. Da grundsätzlich eine Beeinflussung vorhanden ist, soll diese so niedrig sein, wie dies mit vertretbarem Aufwand berechtigt möglich ist4. Dabei entscheidet nicht der Auftraggeber was seiner Meinung nach für ihn ein ausreichender Aufwand ist, sondern der Gesetzgeber und technische Regelwerke haben hier Vorgaben zum Schutz des Verbrauchers gemacht. Diese muss der Installateur, da er den Einsatzzweck kennt (Einbau in eine Trinkwasser-Installation), berücksichtigen. Der Verkäufer überlässt die Verwendung dem Käufer und ist dafür nicht haftbar. Er muss dieses also bei seinem Verkaufspreis auch nicht berücksichtigen. Entsprechend können Produkte gehandelt und erworben werden, mit denen nicht die Anforderungen für eine Trinkwasserverteilung in Deutschland erfüllt werden5.

5.Neben den zahlreichen offenkundigen Anforderungen an die Trinkwasser-Installation, wie z. B. Funktion, Dichtheit, Korrosionsbeständigkeit, etc. wird es berechtigterweise auch als Mangel empfunden, wenn eine Beeinträchtigung der menschlichen Gesundheit durch die Trinkwasserverteilung nicht ausgeschlossen werden kann. Der Installateur und auch der Auftraggeber / Kunde verfügen nicht über die technischen Einrichtungen, die Geräte und Produkte selbst zu prüfen. Auch die damit verbundenen Kosten sollten nicht bei einer Installation zusätzlich anfallen.

6.In Europa dürfen europäische Produkte mit CE-Zeichen frei gehandelt werden. Das CE-Zeichen beinhaltet aber keine qualitative Aussage zur Eignung für Trinkwasser-Installationen. Ein Prüfzeichen eines Branchenzertifizierers (z.B. DIN-DVGW-Zeichen oder DVGW-Zeichen) auf dem Produkt begründet die Vermutung, dass mit dieser Komponente die Einhaltung der Kriterien für Trinkwasser erreicht werden können. Es dürfen auch Geräte und Produkte ohne DVGW-Zeichen verwendet werden, mit denen das in Deutschland gefordete Schutzniveau gleichermaßen dauerhaft erreicht wird6.

7.Auch der Transport und der Umgang mit der Komponente bis zum Einbau, hat Einfluss auf den erreichten hygienischen Standard oder ggf. anzuwendende zusätzliche Maßnahmen.

Fazit:
Um ein mangelfreies Werk zu erstellen, muss der Installateur auch Kenntnis über die Qualität der verwendeten Produkte haben. Er muss prüfen, ob vom Kunden gewünschte Komponenten für die Trinkwasser-Installation eingesetzt werden können. Diese Leistung kann nicht kostenlos erbracht werden. Der Schutz des Trinkwassers und die Einhaltung der Hygiene sind ein hohes Gut, das auch im Sinne der Öffentlichkeit eingehalten werden muss. Die hohe Qualität des Trinkwassers in deutschen Gebäuden ist das Ergebnis weitreichender gesetzlicher und technischer Bestimmungen, die vom Installateur und Betreiber eingehalten werden müssen. Verwenden Sie nur geprüfte Produkte und nutzen Sie die Erfahrung des installierenden SHK Fachmannes bei der Produktauswahl für die Trinkwasser-Installation. Die zusätzlichen Vorteile, wie fachgerechte Verarbeitung, Passgenauigkeit, Produkthaftung, lückenlose Gewährleistung und Hilfe im Schadensfall gehören dazu, wenn Sie beim Installateur gekauft haben. Bei einer Vielzahl von Geräten und Armaturen gibt es zudem weitere Vorteile zu Ihren Gunsten, die der Fachmann richtig bewerten kann. Der Preis ist dabei nicht das wichtigste Kriterium, das eingehalten werden muss.

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1Vergleiche BGB §§ 631 ff.
2Vergleiche BGB §§ 433 ff.
3TrinkwV § 4 Absatz 1
4TrinkwV § 5 Absatz (4) und § 6 Absatz (3)
5Es gibt auch Brauchwasserverteilungen und andere Einsatzgebiete mit geringeren Hygienischen Anforderungen.
6AVBWasserV § 12 Absatz (2)